„Iss mal weniger!“ – eine Anmaßung?!

„Iss mal weniger!“ – eine Anmaßung?!

am 7. Juli 2017 in Aktuelles, Aus der Wissenschaft, News, Slider | 0 comments

Körperforscherin im bemerkenswerten FAZ-Interview mit Sascha Zoske (27.06.2017)

Wie behandelt unsere Gesellschaft „dicke“ Menschen? Wie verhält es sich mit dem (ständigen) Druck, den eigenen Körper perfekt zu gestalten? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Frankfurter Essens- und Körperforscherin Lotte Rose. Sie betrachtet das Thema Körpergewicht unter sozialen Aspekten. Mit ihren Studien verbindet sie zudem ein politisches Anliegen …

Nach Lotte Rose ist die Bezeichnung „dick“ zunächst einmal als abwertend bzw. stigmatisierend aufzufassen, aber „die Bedeutung von Worten ist vom Kontext anhängig und von der sozialen Position des Sprechenden.“ In ihren Seminaren kommt dieses Wort bewusst als Provokation zur Anwendung, um dazu anzuregen, darüber nachzudenken, was bestimmte Benennungen in sich tragen und befördern. Als neutralsten Begriff stuft Rose den Begriff „Menschen mit hohem Körpergewicht“ ein, obwohl dieser recht umständlich ist. „Übergewichtig“ kommt in ihrem Repertoire gar nicht vor, „weil das die Normabweichung enthält“. Zusammen mit dem Soziologen Friedrich Schorb hat sie den Sammelband „Fat Studies in Deutschland“ herausgegeben. Diese wissenschaftliche Fachrichtung ist aus den USA bereits bekannt. Fat Studies haben zum Ziel, Erkenntnisse hervorzubringen, die unterstützend dabei wirken, „die Diskriminierung einer Gruppe perspektivisch zu beheben. Das ist auch ein politisches Anliegen.“ Für Rose ist die Alltagstheorie im Hinblick auf die Ursachen des Dickseins zu simpel – zu viel Essen und mangelnde Bewegung. Daneben bestehen noch etliche andere Ursachen, wie z. B. hormonelle Faktoren, genetische Anlagen, psychosozialer Stress und designte Lebensmittel, die zum übermäßigen Verzehr anregen. Daher stellt es für die Forscherin eine Anmaßung dar, „dicke“ Menschen aufzufordern, einfach weniger zu essen. „Dicke“ werden diskriminiert – auch in Deutschland: Mobbing in der Schule, Inszenierung in den Medien oder Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Ein sportlicher Körper entspricht der Idealvorstellung, steht für Selbstdisziplin sowie Erfolg und somit für gesellschaftliche Werte.

Quelle und mehr hierzu: http://www.faz.net/

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