Europäischer Adipositastag: Adipositas hat Relevanz in der aktuellen COVID-19-Pandemie

Europäischer Adipositastag: Adipositas hat Relevanz in der aktuellen COVID-19-Pandemie

am 16. Mai 2021 in Aktuelles, News, Slider | 0 comments

Das Thema Übergewicht und Adipositas ist mit den aktuellen Problemen und Herausforderungen der COVID-19-Pandemie verbunden:

Bereits früh wurde in der Analyse des Pandemiegeschehens deutlich, dass das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer SARS-CoV- 2-Infektion bei Menschen mit Adipositas erhöht ist, d.h. das Risiko auf eine Hospitalisierung, eine intensivmedizinische Behandlung -mit oder ohne Beatmung- bis hin zum Versterben ist deutlich erhöht. Die Pathomechanismen sind vielfältig: Die bei Adipositas erhöhte chronische Inflammation (Entzündung), die veränderte Blutgerinnung mit Neigung zu thromboembolischen Ereignissen, die Veränderung von Organfunktionen durch Ansammlung von Fettgewebe, die veränderte Insulinreaktion und eine beeinträchtigte Lungenfunktion werden dafür verantwortlich gemacht. Nach der neuen Coronavirus-Impfverordnung vom 8. Februar 2021 erhalten nun Menschen mit Adipositas bei einem Body-Mass-Index (BMI) über 40 mit „hoher Priorität“ (Stufe 2) eine Impfung, zwischen einem BMI von 30 und 40 mit „erhöhter Priorität“ (Stufe 3).

Ein ausführliches Positionspapier der Deutschen Adipositasgesellschaft (DAG) zu COVID-19 mit allgemeinen Empfehlungen für Menschen mit Adipositas ist auf der DAG-Website verfügbar.

Gleichzeitig habe sich die allgemeinen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie mit Einschränkung sozialer Kontakte, Schließung von Sportstätten, Wechsel ins Homeoffice, vw. digitalem Unterricht und Studium negativ auf das Gewicht von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ausgewirkt. Verlängerte Bildschirmzeiten, erheblicher Bewegungsmangel und unregelmäßige Mahlzeiten werden dafür verantwortlich gemacht, die Folgen treffen vor allem sozial benachteiligte Familien. Aktuelle Erhebungsdaten belegen dies. Laut Forsa-Umfrage haben 27 Prozent der Eltern und neun Prozent der Kinder unter 14 Jahren zwischen dem Lockdown im März und der Umfrage im September 2020 an Gewicht zugenommen, das Risiko von Übergewicht und Fehlernährung steigt dabei ganz besonders bei den Schul­kindern über zehn Jahren. Aktuelle Ergebnisse des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass nach dem Lockdown in Deutschland die Menschen mindestens ein Kilogramm, nicht selten 2-5 kg, mehr gewogen als zuvor. Problematisch ist es, wenn bei einem bereits hohen Ausgangsgewicht diese Steigerung hinzukommt. 25 Prozent der Deutschen haben bereits Adipositas, weitere 35 Prozent Übergewicht, eine weitere Gewichtszunahme erhöht u.a. das Risiko für einen Typ2-Diabetes. Die Gewichtszunahme wurde wohl auch zum entscheidenden Trigger für die Zunahme an Typ-2-Diabetes nach der ersten Covid-19-Welle. Auch die mit Adipositas gehäuft auftretenden psychischen Komorbiditäten zeigen in der Pandemiezeit eine Tendenz zur Symptomverstärkung. Mehr Ängste und Schlafprobleme, Gereiztheit, aber auch Kopf- und Bauchschmerzen: Von diesen und weiteren Problemen berichten Kinder und Jugendliche als Folge der COVID-19-Pandemie. Ihre psychische Gesundheit, bestätigt eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), leidet aufgrund der Pandemie.

Das sind beunruhigende Beobachtungen. Was ist zu tun?

Corona als Brennglas der gesellschaftlichen Herausforderungen – auch in diesem Zusammenhang verdeutlicht die aktuelle Pandemie die Bedeutung präventiver und therapeutischer Maßnahmen im Zusammenhang mit Übergewicht und Adipositas. Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen für einen gesundheitsfördernden Lebensstil und Lebenswelten, für eine Erhöhung von Gesundheitskompetenz gerade bei Kindern und Jugendlichen, gesundheitlicher Verbraucherschutz und die Finanzierung qualitätsgesicherter Therapieangebote gehören hier untrennbar zusammen.

Trotz der Erklärung der WHO, führender medizinischer Fachgesellschaften und einem Statement im Deutschen Bundestag „Adipositas ist eine Krankheit“ (und kein Lifestyle-problem), ist eine umfassende Behandlung und Kostenerstattung durch die Krankenkassen bei Adipositas keine Regelleistung, sondern eher eine Ausnahme.  Das komplexe Zusammenspiel von biologischen, genetischen und psychosozialen Faktoren ist allgemein noch zu wenig bekannt, es ist leichter, die Verantwortung den Betroffenen selbst zuzuschreiben. Dadurch sind Menschen mit Adipositas in der Öffentlichkeit, im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in der Politik von teilweise erheblichen Vorurteilen und Diskriminierung betroffen.

Wer sich mit dem Alltag stark adipöser Patienten befasst, der erlebt das enorme Leid, das damit verbunden sein kann: Schuld- und Schamgefühle, sozialer Rückzug, erhebliche Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung, Einschränkungen der beruflichen Belastbarkeit bis hin zum Arbeitsplatzverlust.

Zum europäischen Adipositastag wollen wir jedoch nicht nur klagen, sondern informieren, was kann man tun, wo gibt es Hilfen und aufzeigen, was konkret im Saarland in der aktuellen Pandemiesituation getan wird und getan werden kann.

Konkrete Tipps und Hilfen

Empfehlungen zum gesunden Lebensstil:

Die Situation fordert regelrecht dazu auf, zu Hause aktiv zu werden, die Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten auszuloten und mehr Bewegung im Alltag zu integrieren. Es gibt so viele Möglichkeiten, Aktivität mit digitalen Tools zu tracken, oder unterstützende Apps, die ihre Nutzer dazu stimulieren aktiv zu bleiben.

Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention-Deutscher Sportärzteverband, empfiehlt tägliche Bewegung, mind. 30 Min. pro Tag. Tipps zur Bewegung sind auf der Website des Verbands zusammengefasst.

Die Diabetesgesellschaft hat ihre Tipps zur gesunden, abwechslungsreichen Ernährung und Informationen zu Coronavirus und Diabetes.

Wir wollen in den kommenden Tagen Beiträge einstellen, in denen Sie praxisnahe Beiträge zur Bewegungsförderung und Gesundheitsförderung allgemein in verschiedenen Settings unter Corona-Infektionsschutzbedingungen erfahren.

Informationen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft DAG zum europäischen Adipositastag finden Sie auf der Website der DAG:

Beitragsbild von Arek Socha auf Pixabay

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